Über den Unsinn von HI-FI-Komponenten

An dieser Stelle soll, leicht glossiert, eine Betrachtung stattfinden, die den Unsinn so mancher, sehr teurer HI-FI-Komponente auf's Korn nimmt.
Alle unten aufgeführten Produkte werden oder wurden auf Internet-Handelsplätzen gefunden.

Beginnen möchte ich mit einer Darstellung - angeblich unetbehrlichen Zubehörs - die aufzeigen soll, welch unnützer Mist ahnungslosen Laien für viel Geld aufgeschwatzt wird, wenn es um die Auswahl von Zubehör für ein HI-FI-Scenario geht.
Folgender Anfangszustand sei gegeben:
Ein technischer Laie hat eine HI-FI-Anlage für ca. 300 bis 500 € erworben, deren Betrachtung hier nicht erfolgen soll. Es seien ein Tuner, ein Verstärker und ein CD-Player. Er hat sie installiert oder installieren lassen und weil das Teil neu ist, hat er einen guten Höreindruck.
Jetzt beginnt es, richtig teuer zu werden. Der "versierte" HI-FI-Händler versichert dem Kunden, dass sich ein bisher nicht erlebter Hörgenuss seiner Anlage erst dann einstellt, wenn folgendes, klangverbesserndes Zubehör zusätzlich erworben wird:

1.) Für jede Komponente ein HighEnd Netzkabel mit Gold-Palladium-Kontakten. Länge 1,5 m, Preis / Stück: € 199,--. Für drei Geräte also € 597,--

€ 597,--
Klangbeschreibung aus einer angeblichen "Fachzeitschrift":
"...Die preisgünstigste Variante ist die aus Silber und -zwecks Korrosionsschutz- Rhodium. Beide Metalle tendieren offenbar zu sehr hoher Feinauflösung mit einem strahlenden Glanz im Präsenz- und Obertonbereich, der zu einer leicht hellen, schlanken Timbrierung beiträgt. Das Ideal für den Analysten, dem Präzision und Details über alles gehen. Die Goldvariante tönt deutlich wärmer angehaucht, fein, vielleicht etwas abgerundet und dafür voluminöser im Grundton, während der Kompromiss im Detail sehr gering ist ". Gold-Palladium muss an dieser Stelle als die Königskiasse gelten, da es hier gelingt, die Kraft und Wärme des Goldes gerade im Grund- und Mitteitonbereich mit einer enormen Detailfreude zu verbinden...

Wohlgemerkt: Es hadelt sich hier um Netzkabel !!!

 
2.) Natürlich bedarf es auch einer Steckdosenleiste, um sämtliche Komponenten anzuschließen. Eine weitere Klanngverbesserung werde erreicht, wenn eine adequate Steckdosenteiste für 395,-- € erworben wird, da die HighEnd-Kette ja nicht unterbrochen werden dürfe, um in den Genuss vollendeter Musik zu gelangen.

€ 395,--
Beschreibung:
Der Markt bietet eine Vielzahl verschiedener Steckdosenleisten. Viele davon sind für den Stromtransport mit Messingschienen für Phase, Neutral und Erde aufgebaut. Dies führt zu gegenseitiger Beeinflussung und vermindertem Stromtransport nachgeschalteter Verbraucher. Das heißt, dass die Stromaufnahme des ersten Ausgangs die Stromaufnahme des nächsten Ausgangs beeinfiusst usw. Diese Leiste ist von EiNEM Einspeisepunkt aus stemverdrahtet für Phase, Neutral und Erde. Jede Steckdose hat ihre eigene Einspeisung. Auf den Einsatz von Sicherungen und Schaltern wurde zur Vermeidung von Dynamikeinbußen und Klangqualität bewusst verzichtet...
Zusätzlich ist ein Shunt Noise Suppressor integriert und parallel mit den Ausgängen verbunden. Das SNS-MODULE ... wirkt parallel zu den angeschlossenen Geräten und vermeidet so eine ungewollte Dämpfung des Netzes. Diese Technologie verbessert eindeutig die Musikwiedergabe Ihrer Anlage.

Wohlgemerkt: Es hadelt sich hier um eine Steckdosenleiste !!!

 
3.) Jedoch die ordinären Netzsicherungen existieren ja noch als klangminderne Elemente und müssen, um dem Gesamtbild gerecht zu werden, natürlich auch vergoldet sein und kosten pro Stück 7,00 €. Für drei Geräte also € 21,--

€   21,--
Beschreibung:
Die Feinisicherungen bieten die Möglichkeit, Ihre Hifi-Komponenten für relativ wenig Geld klanglich erheblich aufzurüsten. Sie wurden speziell für den Audio-Bereich entwickelt. Der Schmelzleiter aus Reinkupfer und das resonanzoptimierte Keramikrohr bieten eine erhebliche Qualitäts- und Klangverbesserung. Die Füllung sorgt für eine konstante Leitertemperatur. Die Feinsicherungen verleihen Ihren Geräten einen entspannteren, ruhigeren und souveränen Klang!

Wohlgemerkt: Es hadelt sich hier um Schmelzsicherungen !!!

 
4.) Nun sollten alle Komponenten auch mit der richtigen Leitung an der richtigen Phase hängen. Das wird durch den einfach zu bedienenden Phasendetektor für € 159,-- erreicht, dessen Handhabung sich auch für den absoluten Laien problemlos darstellt.

€ 159,--
Beschreibung:
Das Gerät dient zur schnellen Bestimmung der phasenrichtigen Polung von Audio-Komponenten an der Netzsteckdose. Das Gerät zeichnet sich durch einfachste Handhabung aus, da lediglich der Netzstecker des zu prüfenden Gerätes in den Phasendetektor gesteckt werden muss. Über 2 LED's wird in einem Messvorgang die Phase angezeigt. Die entsprechende Phasenlage an der Netzsteckdose können mit dem beiliegenden Stromprüfer feststellt werden. Mit den ebenfalls beiliegenden Markierungspunkten kann der Stecker dann gekennzeichnet werden.

Die betreffenden Geräte schmachten nach der richtigen Phasenlage !!!

 
5.) Netzseitig wäre man jetzt nahezu optimal ausgerüstet, wären da nicht noch die ordinären Cinch-Kabel für die Verbindungen von Tuner und CD-Player zum Verstärker, sowie die Lautsprecherleitungen vom Verstärker zu den Lautsprechern. Diese müssen natürlich, um alles Andere erst richtig zur Geltung kommen zu lassen, auch gegen HighEnd - Produkte getauscht werden.
Die Cinch-Kabel (1,2 m Länge) kosten für ein peripheres Gerät € 570,50. Für Tuner und CD-Player das doppelte, also € 1141,--

€ 1141,--
Beschreibung:
Die angebotene Kabel besitzen Innenleiter mit dem speziellen XYZ-Process (Prozessname geändert) behandelt für minimale Übertragungsverluste.
Konfektioniert sind sie mit dem XYZ-RCA Stecker.
Die signalführenden Pins der XYZ-Cinchstecker sind 24k Gold platiniert und anti-magnetisch.

Wohlgemerkt: Es hadelt sich hier um Cinch-Kabel !!!

 
6.) Last but not least wären nun noch die Lautsprecherleitungen zu betrachten. Natütlich taugen die mit dem Verstärker mitgelieferten Kabel nichts. Auch sie müssen einem HighEnd - Produkt (2 x 3m) für € 800,-- weichen.
Dieses Kabel wird narürlich nicht in einer ordinären Pappschachtel verkauft, sondern in einer edlen Mahagoni-Box geliefert. Schließlich wird der anspruchsvolle HI-FI-Hörer nach jedem Hörgenuss diese hochwertigen Kabel abklemmen, und in der Mahagoni-Box verpackt, bis zum nächsten Konzert im Safe aufbewahren.

€ 800,--
Beschreibung:
Das angebotene Kabel ist ein patentiertes Kabel. Sein Geheimnis ist die bifilar gedrehte Litze, bestehend aus 24 individuell isolierten Litzen. Bei der bifilaren Herstellung werden 12 Windungen schräg in die eine Richtung und 12 in die entgegengesetzte Richtung gedreht. Dies hebt das magnetische Feld auf. Da die Konstruktion aus mehreren isolierten Drähten besteht, wird der dynamische Skin Effekt aufgehoben. Daher verhält es sich als nichi-indukives, phasenstabiles Kabel. Es gibt komplexe und hochauflösende Frequenzen ohne Klangbeeinflussung wieder. Alle Musikfrequenzen werden zeitgleich übertragen. Dadurch erhält man eine klare 3-dimensionale Präsenz. Ein sicheres Zeichen für "highest fidelity".

Wohlgemerkt: Es hadelt sich hier um Lautsprecherkabel !!!

 
Die Gesamtkosten für dieses "notwendige" Zubehör belaufen sich auf:

€ 3113,--
Resümee:

Bei einer Musikanlage, wie eingangs angenommen, sind mit diesen "unentbehrlichen" Assessoirs also schlappe € 3113,-- für die Peripherie zu veranschlagen, also etwa das sechs- bis zehnfache des Gerätepreises. Dafür jedoch - und alles hat seinen Preis - kann der stolze HI-FI - Fan nie gehörte Klänge vernehmen und seinen Freunden das absolute Non-Plus-Ultra vorführen, auch wenn es nicht ganz billig war.

Man überlege:

Wie verbessert man die Leitungen, vor der Haussteckdose, die ja irgendwie zum Elektrizitätswerk führen? Was nützen einem Silber, Gold und Palladium an seiner Superanlage, wenn das E-Werk den Strom in schnöden Kupferkabeln anliefert?
Was ist mit Kohle, Öl, Gas und Wasser, welche zur Damperzeugung zum Antrieb der Generatoren im Kraftwerk benötigt werden?
Muss nicht hier schon angesetzt werden, um die Qualität der fossilen Brennstoffe und des Wassers so abzustimmen, dass Präsenz und Obertonbereich von Millionen HI-FI-Geräten hingeführt werden zu kräftig trockenen Bässen, sauberen Mitten, dezenten Höhen und guter Raumabbildung?
Hier ist die Wissenschaft aufgefordert, Lösungen zu erarbeiten, um diesem enormen Defizit mit vernünftigen, bezahlbaren Ergebnissen zu begegnen.

Schlusswort:

Es grenzt an Scharlatanerie, laienhaften Kunden einen derartigen Unfug für horrende Summen aufzuschwatzen.
Verbesserungen der Klangeigenschaften einer Musikanlage sind mit den aufgeführten Komponenten weder zu erreichen noch wären sie messbar.
Messbar ist dagegen sicherlich die Zunahme auf dem Bankkonto jenes Händlers.

 

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