Sommer eines alten Seemanns


Auf See war ich ein halbes Leben,
Entbehrung war mein Lebensglück.
Es schien nichts anderes zu geben,
als klaren Horizont im Blick.


Abgemustert hab’ ich, bin schon alt,
verlasse Dich, du weite See.
Ein Haus mit Garten fand ich bald
Und sitze abends fein in Lee.


Ein Traum in Grün, das ist mein Garten,
ein Traum in Grün so wunderschön.
Wie lange musste ich drauf warten,
Wie lang konn’t ich das Grün nicht seh’n.


Doch Kälte, Winter, sie vergingen,
die ersten Knospen öffnen sich.
Die ersten Vögel zaghaft singen,
entführen in Gedanken mich.


Die warme Luft, ein warmer Regen
Verzaubert jetzt mein Paradies
Und die Natur gibt ihm den Segen,
den Winter einst vergehen ließ.


Ich sitze jeden Tag und schaue
In diese schöne Welt Natur,
an der ich mich so oft erbaue;
und ist’s für ein paar Stunden nur.


Ein Bild, das niemals ich gesehen,
in meiner Seemanns- Fahrenszeit,
lässt schnell und nachhaltig vergehen,
die vielen Jahre Einsamkeit.


Reinhard Stenzel

[Home] [Zur Person] [Fertig] [Projekte] [Labor] [Hi-Fi-Unsinn] [Hobbies] [Links] [Gästebuch] [E-Mail] [Impressum]