Zwölf Flaschen Whisky


Zwölf Flaschen Whisky hatte ich
in meiner Keller - Bar.
Sie blieben alle überich
aus dem vergang‘nen Jahr.


Doch heut, am Neujahrsmorgen,
da mich der Kater grämt,
sagt mir mein Weib treu sorgend,
dass jede Frau sich schämt,
wenn sie zu früher Stunde
den Gatten krank und matt
will küssen mit dem Munde,
und der noch eine Fahne hat.


Drum soll ich bessern mich fürwahr,
den Whisky in den Ausguss kippen.
Nichts trinken mehr im neuen Jahr,
nur hin und wieder noch mal nippen.


Besserung will ich geloben,
noch gar verschwommen ist mein Sinn -
zwölf Flaschen hole ich nach oben
und schleppe sie zum Spülstein hin.


Die erste Flasche ist entkorkt,
ergießt sich in das Becken;
ein Gläschen hab’ ich mir geborgt,
einmal noch will ich schmecken.
Jetzt kommt das zweite Exemplar,
bei dem, wie schon beschrieben,
exakt genauso ich verfahr‘,
das geht bis nummro sieben.


Die Flasche zieh‘ ich aus dem Stopfen
von Nummer acht, und trink sie fein,
bis auf den letzten Tropfen,
den schütt‘ ich in den Spülstein rein.


Der neunte Ausguss naht herbei,
den Korken zieh‘ ich ihm heraus
trink nur ein Fläschchen - einerlei
das Whiskyglas, das schütt‘ ich aus.


Den Whisky grad‘ noch ich erhasche,
zieh ihn aus dem zehnten Glas
füll‘ den Ausguss in die Flasche
und trink den Korken so zum Spaß.


Das elfte Glas dreht seine Runde,
ich trinke schnell den Ausguss leer,
den Korken führe ich zum Munde
und fühle keine Flasche mehr.


Als all der Whisky ist heraus,
halt‘ ich mit einer Hand
das schwankend - wackelige Haus
fest, an der Spülsteinwand.


Zählend fühlet meine Linke
all die Flaschen, Korken, Glas
während ich die Reste trinke
aus dem Ausguss - whiskynass.


Die Gegenstände sind addiert,
verzählt hat meine Hand sich.
Trotzdem die Summe ich halbiert,
hab ich noch neunundzwanzig.


Ich muss es prüfen, wie ihr seht,
der Ehrgeiz lässt mich sorgen,
drum zahl ich alles, was sich dreht,
Ausgüsse, Flaschen, Korken.


Hab ich es mir nicht gleich gedacht,
der Prüfung Richtigkeit erweist sich,
denn als den Schlussstrich ich gemacht
da sind es siebnunddreißig.


Die Rechnung stimmt mich sehr besonnen,
erfüllet ist mein Schwur.
Der Whisky ist verronnen
vorbei ist die Tortur.


Verblieben ist mir nur mein Haus
ach ja - und eine Flasche!
Die trink ich jetzt gemütlich aus,
sie war noch in der Tasche.


Reinhard Stenzel

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